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Repertoire


Programmheft
(Gestaltung: Reglindis Rauca)

La Parodie

von Arthur Adamov

Regie: Götz Langer
Choreographie: Brigitte König
Produktionsleitung: Ulla Krummel
Inszenierung 2005

Arthur Adamov (1908 - 1970)
Französischer Dramatiker russischer Herkunft,
ab 1924 in Paris. Anschluss an die Surrealisten, Vater des absurden Theaters.














Kritik Auszug "Der Gießerjunge" 2005
von Prof. Hans Jürgen Skorna

"... Einmal mehr handelt es sich hier um den wagemutigen Versuch, modernes Schauspiel mit seinen oft schwierigen Strukturen und Aussagen in gewohnter Spielfreude auf die Bühne zu bringen. Erinnerungen an die Stroux-Ära des Düsseldorfer Schauspielhauses werden wach, als hier etwa mit den "Nashörnern" von Ionesco oder mit "Warten auf Godot" von Becket große Bühnenerfolge des sog. "Absurden Theaters" zu verzeichnen waren. ...

... Absurdes Theater wendet sich gezielt gegen die herkömmlichen Darbietungsformen des Schauspiels ... In der Figur des "hübschen Mädchens" Lili wird in Adamovs "Parodie" das Glücksverlangen personifiziert. Von schrillem Lachen und Kreischen begleitet, tänzelt sie mit superhohen Absätzen und oberflächlichem Gehabe durch die verschiedenen Szenen, Glückserfüllung vortäuschend ...

... Aber auch sie sinkt am Ende in sich zusammen in tiefer Resignation und Depression ... Damit schließt sich unerbittlich der Kreis aller Selbsttäuschungen, die keine Sinngebung mehr zulassen. Jeder Versuch, das eigene Selbst auf die eine oder andere Weise zu vewirklichen, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt ....

"Haben Sie die Zeit?" So lautet die immer wieder gestellte Frage. Aber die Antwort bleibt aus, weil keine Kontrolle mehr möglich ist ... Mit dem Verlust jedes zeitlichen Ordnungsgefüges ist eine Orientierung in der erfahrbaren Realität nicht mehr möglich ... Treffpunkte werden noch ausgemacht, aber nicht mehr eingehalten, Ziele werden angesprochen, aber nicht mehr erreicht.

... Die Vorgänge um die Hauptakteure der Aufführung korrespondieren mit dem größeren Ganzen, wenn die Mehrheit des Ensembles in einer "Putzkolonne" auftritt. In weite, graue Gewänder gehüllt, verlieren sich die Einzelnen in sinnloser Betriebsamkeit und Anonymität, einzig noch verbunden in einer geradezu manischen Besessenheit von ihren Funktionen ...

... Die Aktualität der Aufführung beruht auf deutlich erkennbaren Parallelen zur heutigen gesellschaftlichen Situation. Möglichst schnell das eigene Lebensglück zu schmieden und hierfür die notwendige materielle Basis zu schaffen, hat gegenüber sonstigen Motivationen absoluten Vorrang,eine hohe Risikobereitschaft eingeschlossen. Von den Gescheiterten spricht man nicht, sie bleiben stillschweigend auf der Strecke ...

Dies eindringlich szenisch umzusetzen und erlebbar zu machen, ist Regisseur Götz Langer und dem Ensemble des SeTA wieder einmal überzeugend gelungen."




Fotos: Sara Quesquén