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Repertoire

Programmheft
(Gestaltung: Forum Freies Theater)
  

Silverday

von Almut Baumgarten

Regie: Marlin de Haan
Co-Regie: Michaela Hartmann
Bühne, Kostüm: Julia Rautenhaus
Produktionsleitung: William Hodali
Inszenierung 2010 - Projekt 1

NRZ, 15.10.2010
„Hut ab auch vor der körperlichen Leistung des Ensembles, das über die Hälfte des Abends in Bewegung ist – ohne sich die Anstrengung anmerken zu lassen.“

Westdeutsche Zeitung, 14.10.2010
“Das Darstellerteam jedoch ist durch die Bank fidel, witzig, gut drauf und voller Tatendrang.“




 





ULI: (…) Euer Atem muss in jede Faser dringen. Er muss. So wie ein Fluss, muss wie ein großer Strom, der ohne Pause, ohne Anstrengung und ohne Aufregung durch eine Landschaft zieht und der dem Tal, der ganzen Gegend Leben spendet, muss euer Atem durch die Körperlandschaft ziehn und euch mit frischem Sauerstoff versorgen. Euer Atem ist ein ruhiger Fluss, okay?





DAGMAR: Vielleicht ist das alles hier ja nur ein Test. Der Affenmensch, der Menschenaffe, er ist gar nicht echt, es handelt sich bei dieser ganzen Sache nur um ein Experiment. Sie wollen wissen, wie wir uns so schlagen, ob ein Mensch mit 70 in einer derartig extremen Lage genauso reagiert wie einer, der erst 30 ist. Die Geiselnahme findet gar nicht wirklich statt, in Wirklichkeit befinden wir uns ja in einer Art Labor. Das alles hier, der Affe, wir, die Waffe, sind Teil einer Versuchsanordnung.
ELLY:Wir müssen ihn erschießen. Sonst bringt er uns um. Ich weiß es. Er bringt uns alle um. Wir müssen ihn erschießen. Wenn ich nur wüsste, wie ich an seine Waffe komm.
IDA:Bitte, leg ihn um. Ohnehin war es deine Idee.
DAGMAR:Was?
IDA:Das ganze war Ellys Idee.
ELLY:Wie?
IDA:Die Idee kam ja von dir. Die mit dem Silverday. Ohne dich wär’n wir nicht hier. Ich wusste gar nicht, dass es so was gibt, wie einen Silverday. So ein spezielles Krafttraining für unsereins, so einen Altennachmittag im Fitnessstudio, so einen Kraftvergeudungs- und Verschwendungstag, einen Tag, speziell für uns gemacht. So einen Kraftausbeutungsirrsinn. Ohne dich würd ich jetzt Spätzle schaben für die Jungs.

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ANGELIKA: Wenn wir junge Leute wären, Mütter, mit zwei hübschen Kindern, eines an der Hand, eins an der Brust, dann hätten sie doch längst hier angerufen. (…)


RENI:Was wenn wir wählen könnten, wählen müssten. Eins von beidem würde uns verkündet, wann oder wie wir sterben werden. Wir selbst müssten entscheiden, welches Wissen uns lieber ist. Du weißt, du wirst erschossen, nur nicht wann. Oder aber du erfährst deinen exaktgenauen Todestag, nur nicht, woran du stirbst. Du hast die Wahl. (...)
DAGMAR:Du hast allein die Wahl, welcher Fluch dir lieber ist.
KUNO:Nur das Leben selber ist noch schrecklicher.

 




SIGI:Nein, nein. Ich lebe ja allein. Schon immer. Keine Frau und keine Kinder. Nur ich und meine Wände. Nur meine Wände und ich. Ganz allein.
ANGELIKA:Was ist es dann?
SIGI:Ich koche gern.
ANGELIKA:Aha.
Fotos: Božica Babić